Liebe Gemeindeglieder,  Wieder naht die Weihnachtszeit, das Fest der Liebe und des Friedens. Und wieder scheinen gerade diese  beiden Begriffe nur noch hohle Phrasen zu sein. In der Weltpolitik kommen die Mächtigen nicht voran, es  scheint eher Rückschritte in der Verständigung zu geben. Unsere Natur stöhnt unter der Veränderung des Klimas und beginnt sich zu wehren. Wir Menschen spüren es,  doch oft scheinen wir nur hilflos mitansehen zu müssen, wie sich alles um uns herum verändert und wir können nicht wirklich etwas ändern. In Vielen beginnt mit dieser Ohnmacht auch das Gefühl der Unzufriedenheit zu wachsen. Und wie das Wort es bereits ausdrückt: Wir haben keinen Frieden in uns. Kein Wunder, dass es dann so leicht geschieht, dass auch der Frieden um uns herum so schnell zu wanken beginnt. Wenn ich in mir keinen Frieden habe, wie soll ich ihn dann weitergeben? Und dann komme ich als Ihre Pfarrerin auch noch und wünsche Ihnen ein friedliches Weihnachtsfest. Allein  die Vorstellung von Familienfeier, Weihnachtsstress durch Baum, Geschenke, Essen, alles unter einen Hut  bringen, jedem gerecht zu werden, alles rechtzeitig fertig zu haben, erweckt in Vielen eher Bauchschmerzen als Vorfreude. Weihnachten ist überfrachtet worden und damit gleichzeitig entleert. Überfrachtet – so viele  Erwartungen, Kitsch und Kommerz sind dazu gekommen, dass man kaum noch durchblickt. Gleichzeitig wurde Weihnachten entleert – es lässt sich gut auch ohne Gott feiern. Doch ohne seine Geburt  gäbe es Weihnachten gar nicht. Frieden finde ich nicht in der Welt, den kann ich mir nur in mir selbst schenken lassen. Zum Beispiel an  Weihnachten, wenn ich zurück gehe zum Ursprung des Festes: am Rande des Weltgeschehens, so nebenher, im Stall, bei einfachen Menschen, eine Geburt von vielen in dieser Nacht, einfach mal nebenbei, kam die Liebe  zur Welt. Und genauso wurde sie wahrgenommen, wurde sie aufgenommen: Als kleines hilfloses Kind, das den Schutz der Menschen um es herum brauchte, das allein nicht lebensfähig wäre. Liebe und Frieden kann ich  nicht allein machen, es braucht den Anderen, das Gegenüber. Gott hat damit angefangen, hat sich uns  Menschen ausgesucht, um zu lieben, um den Frieden zu leben. Kam als Mensch zur Welt, um zu lieben. Die Wissenschaft heute ist sich nicht sicher, wurde er in Bethlehem geboren oder doch in Nazareth, war es ein Stall oder vielleicht doch die Werkstatt des Vaters Josef. Sollen sich die Gelehrten streiten. Dass er geboren  wurde, eben nicht in einer königlichen Wiege, eben nicht in Rom, dem damaligen Mittelpunkt der Welt, das ist klar. Die eigentliche Botschaft von Weihnachten heißt für mich sowieso: Gott will geboren werden im Kleinen, im Stillen, am Rand der Gesellschaft, in Dir und Mir. Wenn das geschieht, dann erst fängt Weihnachten an. Wenn der Friede in mein Herz einzieht, dann kann ich  den Frieden auch weitertragen. Die Sehnsucht danach hat wohl jeder tief drin im eigenen Leben. Doch die  Unzufriedenheit, die oft von außen kommt, verhindert, dass wir ihn einziehen lassen. Ich wünsche es uns, ich  wünsche es Ihnen, dass Sie sich immer wieder von Gott finden lassen, jeden Tag neu, dass in unseren Herzen  der Platz ist, wo Gott geboren wird, als guter Gedanke, der zum Frieden führt, zur Versöhnung, der uns die  Angst nimmt, auf dieser Welt zu kurz zu kommen, die Angst vor dem Fremden, dem Anderen, dem  Ungewissen. Denn genau das ist ja auch Weihnachten. Maria bekam in der Fremde ihr Kind, musste nur  wenige Tage danach flüchten, war jung, das Kind unehelich. Das wäre auch heute kein guter Start ins Leben,  damals war es lebensbedrohend. Und doch lebte sie mit dem tiefen Vertrauen: „Fürchte dich nicht, denn Gott ist mit dir.“ Immanuel – Gott geht mit, Jesus – Gott hilft, so nannte sie ihr Kind. Weihnachten ist immer mehr zu einer Jagd geworden, Jagd nach Terminen, Geschenken, dem richtigen Baum, dem besten Essen. Lasst uns wieder auf eine neue Jagd gehen. Dazu lädt uns die Jahreslosung für 2019 ein: „Suche  Frieden und jage ihm nach:“ Psalm 34,15 Auf diese Jagd möchte ich mich gern im kommenden Jahr begeben. Und ich wäre überglücklich, wenn wir es  gemeinsam machen würden, in unseren Gottesdiensten, Konzerten, Festen und Feiern, in unseren  Begegnungen, gemeinsam nach dem Frieden zu suchen und ihn dann auch nicht loszulassen. Es scheint  manchmal eine Hetzjagd zu sein, auch das Leben von Jesus verlief nicht in ruhigen Bahnen. Aber es ist die  einzige Jagd, die Sinn macht.  Und dann ist es vielleicht auch nur die Passion eines Jägers, die übrig bleibt, die Leidenschaft für den Frieden, den wir nur in uns finden können, der nur in uns beginnen kann, den Gott uns  sogar einfach schenken will, wenn wir uns öffnen und Weihnachten in uns werden darf. Das erste, wirkliche  Weihnachten. Gott besucht und erlöst sein Volk. Dann fällt alle Angst von uns ab, weil wir spüren dürfen: Jesus – Gott hilft - ist bei mir. Auch mir gilt das Wort der Engel: „Fürchte dich nicht. Siehe, ich verkündige dir eine  gute Botschaft, die allem Volk widerfahren ist. Denn dir ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr. Darum Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen, die guten Willens sind. Dieses Weihnachtsfest wünsche ich uns allen. Friede auf Erden, der in unseren Herzen geboren wird, den wir  mit anderen teilen. Diese Jagd lohnt sich auf jeden Fall im kommenden Jahr. Und das hat unsere Welt so nötig, bitter nötig. Ich wünsche Ihnen darum ein friedvolles Weihnachtsfest, und möge der Frieden von euch gefunden werden im kommenden Jahr 2019. Ihre Pfarrerin Nikola Züls Evangelische Kirchengemeinde Laufenselden - Egenroth