Liebe Gemeindeglieder, Ostern ist das Fest der Auferstehung, das Fest der Freude. So haben wir auch hier in unseren Gemeinden gefeiert. Und  zeitgleich erreichten uns Schreckensbilder von Anschlägen in christlichen Kirchen in Sri Lanka. Auch wenn unsere Partner-  gemeinde nicht direkt betroffen war, so sitzt der Schock dennoch tief. Über 300 Tote, 500 Verletzte darunter viele Kinder,  ganze Familien, die innerhalb von Sekunden ausgelöscht wurden. Das versteht keiner. Das Schlimmste daran ist für mich,  dass die Auftraggeber ihr Ziel einmal wieder erreicht haben, nämlich Hass und Unfriede zwischen den Religionen zu  schüren.   Es geht hier nicht um Gott oder Allah, das ist denen egal. In Sri Lanka leben seit Jahren die verschiedenen Religionen - und  Christen und Muslime sind dort nur Minderheiten - in Frieden miteinander oder zumindest nebeneinander her. Ich habe  selbst miterleben dürfen, wie Christen und Muslime mit Buddhisten und Hinduisten friedlich gemeinsam ihre Feste gefeiert  haben, wie Kinder in unseren Kindergärten und Waisenhäusern ihre jeweilige Religion gelebt und von anderen darin  respektiert wurden. Dieser Friede ist nun wohl für lange Zeit gestört. Misstrauen und Vorurteile werden geschürt. Wer das  organisiert hat, der ist auf Hass und Krieg aus.   Es schmerzt mich, dass es selbst in unserem Land dazu führt, dass wir Menschen mit anderen Religionszugehörigkeiten  nun eher skeptisch betrachten. Der IS lacht sich ins Fäustchen, hat sich direkt drangehängt. Unsere geplante Reise mit  einer Gemeindegruppe ist storniert. Ich werde hinfliegen, vielleicht auch, um ein Zeichen zu setzen, dass ich mich nicht von  diesem Hass einsperren lasse. Dann dürfte ich auch nie mehr den Breitscheidtplatz in Berlin besuchen, in Paris oder Nizza einen Spaziergang wagen oder  wer weiß welche Städte als nächstes auf dem Programm dieser machthungrigen Wahnsinnigen stehen. Dann haben sie ihr  Ziel erreicht, wenn mein Leben von Angst und Unsicherheit, von Hass, Vorurteilen und Zweifeln bestimmt wird.   Doch so will ich um Gottes Willen nicht leben. Gott hat mir den Glauben geschenkt, dass mein Leben in seiner Hand liegt.  Ja, Leben ist immer in Gefahr, Leben kann ganz schnell vorbei sein, da genügt ein Moment der Unachtsamkeit auf der  Straße oder ein anderer, der am falschen Ort überholt. Da genügt eine Diagnose „Krebs“, und schon wird Leben bedroht.  Das macht mir das Leben so wertvoll, eben weil es begrenzt ist. Aber wertvolles Leben soll in meinen Augen auch sinnvoll  sein. Und Sinn finde ich in der Lebensfreude und in der Lebensbejahung, in der Liebe zum Leben.  Jesus hat uns einmal alle Gebote in einem Satz zusammengefasst: „Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst.“   Nur Liebe kann den Hass wirklich besiegen. Doch die Liebe in der Welt ist bedroht Die Kirchen versinken immer mehr in der Bedeutungslosigkeit. Ängstlich schauen wir auf sinkende Mitgliederzahlen,  dunkle Zukunftsprognosen und die Zeitungen freuen sich, wenn das mal wieder eine Schlagzeile gibt. Beim interreligiösen  Friedensgebet am 11. Mai in Laufenselden mit Muslimen und Bischof Bätzing war keine Presse dabei. Wenn man den  Frieden einfach miteinander lebt und für ihn bittet, das ist keine Schlagzeile wert. Und so verkommt unser Blick. Wir  bekommen nur noch die schlechten Botschaften mitgeteilt, das Gute geht unter.  Liebe Gemeinde, ich möchte Ihnen allen Mut machen, auch die guten Botschaften zu suchen und zu finden. Die  Jahreslosung mahnt uns: Suche den Frieden und jage ihm nach. Ja, wir sind auf der Suche. Der Friede ist immer und überall  bedroht. Aber es gibt sie, die guten Zeichen, wenn Christen und Muslime gemeinsam für den Frieden beten, wenn wir uns  miteinander auf den Weg machen, dann können wir wieder den Frieden finden. Ich möchte immer wieder ein Zeichen  setzen für den Frieden. Dass die Liebe siegt. Dann kann ich vertrauensvoll in die Zukunft gehen, denn mein Leben und auch  mein Ende liegen in Gottes Hand. Ich freue mich auf das Wiedersehen mit meinen Freunden in Sri Lanka und ich werde  dort in einer christlichen Kirche beten und eine Kerze für den Frieden anzünden. Ich werde mein Leben nicht davon  bestimmen lassen, dass einzelne Wahnsinnige den Hass in der Welt verbreiten. Wenn ich das zulasse, dann hat Kirche  wirklich ihren Platz in der Welt verloren. Jesus gab uns auch einmal ein Mutwort mit auf den Weg: „In der Welt habt ihr  Angst, doch seid getrost, ich habe die Welt überwunden, und darum fürchtet euch nicht, ich bin bei euch alle Tage bis ans  Ende der Welt.“ Mit diesem Mutwort möchte ich leben, mein Leben sinnvoll gestalten, den Frieden suchen und die Liebe verschenken.  Dafür steht für mich Kirche. Und solange das so ist, werde ich als Pfarrerin zu meinem Gott und zu meiner Kirche stehen.    Und das wünsche ich Ihnen auch. Kehren sie der Kirche nicht den Rücken, kehren Sie Gott nicht den Rücken. Lassen Sie uns  vielmehr gemeinsam wieder an unserer Kirche weiterbauen. Gewiss, sie hat einige Macken und Ecken und wie ein Altbau  muss sie immer wieder renoviert werden. Aber die Kirche Gottes will ein Zeichen setzen in der Welt, dass jedes Leben  wichtig und wertvoll ist, dass da nur ein Gott ist, der über allen wacht und alle liebt, und dass dieser eine Gott den Frieden  für diese Welt will. Aber das geht nur, wenn wir den Hasspredigern die Botschaft der Liebe entgegenstellen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen Sommer voller Frieden und Liebe  Ihre Pfarrerin Nikola Züls  Evangelische Kirchengemeinde Laufenselden - Egenroth